Fachbeiträge

Business Trainer 2.0: Nachhaltigkeit braucht interne Trainer!

 

Ein Fachbeitrag von Marcello Liscia

 

Train the Trainer ist eine erfolgversprechende Lösung für Unternehmen, die ihr eigenes Wissen intern möglichst vielen Mitarbeitern zugänglich machen möchten. Die internen Trainer werden somit zu Multiplikatoren ihres Know Hows, das für ihren Arbeitgeber von nicht zu unterschätzendem Wert ist.

In der Praxis verhält es sich so, dass die fachkompetentesten Mitarbeiter gerne  - was ja auch per se Sinn macht – auserkoren werden, ihre Expertise an Kollegen und Mitarbeiter weiter zu geben. Was dann weiterhin häufig passiert, ist, dass diese Experten sich mit der Frage konfrontiert sehen, wie sie das, was für sie selbst so selbstverständlich ist, Anderen vermitteln. Leider mündet diese Herausforderung allzu oft in PowerPoint-Schlachten, denen sich die Teilnehmer solcher „Trainings“ machtlos ausgeliefert fühlen. Um dann aus dem Fastfood-Folien-Konsum ein interaktives und nachhaltiges Training zu machen, bedarf es der Unterstützung eines ausgebildeten Trainers, der – in der Regel als Externer – die internen Experten darin trainiert, wie man ein Training inhaltlich, methodisch und didaktisch gestaltet.

Die erste Erkenntnis der Teilnehmer eines Train the Trainers ist häufig die, dass sie sich von der Vorstellung verabschieden müssen, in einer 120 Minuten Sequenz 120 Inhaltspunkte zu vermitteln. Aktivierung von Teilnehmern, Nutzung verschiedener Lernkanäle, das Geben von wertschätzendem Feedback und das Schaffen von ersten Erfolgserlebnissen sind dann erste Schritte in Richtung eines wirklichen Trainings. Anstatt Masse ist also Klasse das Ziel. Die Erfahrung zeigt, dass die Teilnehmer nach einer anfänglichen Ernüchterung sehr dankbar dafür sind zu erfahren und zu erleben, wie man ein Training konzipiert und durchführt.

Interne Trainer genießen in der Regel ein hohes Vertrauen der Kollegen und können für sich und für das Unternehmen durch einen fundierten Unterbau in Form von Trainer-Know How zusätzlich zu ihrer Fachkompetenz nur ihren Wert steigern. Das Unternehmen selbst sieht hier eine große Chance, verstaubtes Wissensmanagement zu neuem Leben zu erwecken.

Nicht zuletzt für die Mitarbeiter der Generation 55+ ist die Ausbildung zu internen Trainern hervorragend geeignet. Vor dem Hintergrund eines immer höheren Renteneintrittsalters stellt der Senior Trainer (hier bitte englisch aussprechen) einen Mehrwert für alle Beteiligten dar: Motivation und Bindung des trainierenden Mitarbeiters, sinnvolle Nutzung einer fundierten Erfahrung und Sicherung wertvollen Wissens für das Unternehmen.

In Anbetracht der Tatsache, dass ältere Mitarbeiter immer mehr an Bedeutung auf dem Arbeitsmarkt gewinnen – einfach aus dem Grund, dass die deutsche Gesellschaft durch die geringe Geburtenrate von weniger als 1,5 Kindern pro Frau mehr und mehr veraltet – lässt sich der zum Trainer ausgebildete Mitarbeiter der Generation 55+ nicht nur intern im Unternehmen einsetzen. Auch der Gedanke, diesen Senior Trainer als Wissensvermittler bei Kunden und Lieferanten des Unternehmens zu etablieren kann dazu verhelfen, Schnittstellen zu optimieren und somit Zeit und Geld zu sparen.

Soziale Schlüsselkompetenzen rücken in der Wirtschaft neben Fachkompetenz immer mehr in den Vordergrund – um nicht zu sagen, sie holen sie ein. Ein Training ohne Sozialkompetenz des Trainers ist kein Training. Somit bietet ein Train the Trainer nicht nur älteren Mitarbeitern, sondern Experten aller Generationen die Möglichkeit, Kompetenzen zu erlangen und auszubauen wie Team- und Kommunikations­fähigkeit, Reflexion des eigenen Verhaltens, Ergreifen von Initiative, Flexibilität und Offenheit, um nur einige zu nennen.

Warum geben wir dem Business Trainer den Zusatz 2.0?

Aus der Überzeugung heraus, dass ein Business Trainer heute neue Medien nutzen muss. Wir fragen auch nicht nach der Sinnhaftigkeit eins smart phones oder eines Laptops. Im Business geht es heute nicht ohne.

Das Thema 2.0 erstreckt sich hier von der professionellen Nutzung von PowerPoint bis hin zur Vergabe von Pads an Teilnehmer als Medium für Unterlagen. Zu verstaubt ist unserer Ansicht nach die Vorstellung des Trainers, der seine sorgfältig geschriebenen und gemalten Flips aus dem Köcher holt. Das Flipchart sollte als Medium eingesetzt werden, um während des Trainings mitzuschreiben, etwas vor dem Auge des Teilnehmers entstehen zu lassen oder für die Visualisierung durch Teilnehmer nach Gruppenarbeiten etwa.

Social Media Plattformen wie Xing oder Facebook eigenen sich hervorragend, um geschlossene Gruppen für Trainingsgruppen einzurichten. Diese können dann als virtueller Raum für den Austausch von Meinungen, Erfahrungen und Unterlagen dienen. Zumindest der Umgang mit einer dropbox sollte jedem Business Trainer geläufig sein.

Des Weiteren erfüllen insbesondere interne Trainer eine wichtige Funktion in punkto Wissensmanagement. Gerade der Generation 55+ sollte hier eine besondere Rolle zuteilwerden. Sie sehen einen Widerspruch zwischen 2.0 und 55+? Ganz und gar nicht! Denn ist es nicht gerade die Gen Y, die die Zielgruppe der internen 55+-Trainer darstellt? Erfahrene Mitarbeiter geben also ihr Wissen weiter an 2.0-affine Kollegen.

Im Kontext von Prozessen betrachtet, stellt der Business Trainer 2.0 sein Training in der Regel als Teil eines übergeordneten Ziels dar. Wenn auch Prozesssteuerung und Training abhängig vom Thema unter Umständen von einer Person oder durch eine Abteilung durchgeführt werden können, so handelt es sich jedoch beim Training um die Erreichung eines Teilziels Ihres Business.

Abschließend ist unser hybrider Ansatz im Training noch ein weiteres Highlight des Business Trainer 2.0: Trainer können auf ein Repertoire von Techniken zurückgreifen aus den Bereichen Coaching, Beratung und Moderation. Im Train the Trainer erhalten unsere Teilnehmer je nach Umfang der Maßnahme neben der Betrachtung der Auftragsklärung auch Einblick in die Bereiche Coaching, Beratung und Moderation von Workshops. Jede der vier Professionen sollte unserer Auffassung nach Elemente der anderen drei bei Bedarf hinzunehmen. Im Kontext Train the Trainer sprechen wir hier vom hybriden Trainingsansatz. Soll heißen: Elemente aus Coaching, Beratung und Moderation gehören ebenso zum Handwerkszeug eines umfassend ausgebildeten Trainers wie Trainer-Know How. Coachingelemente sind beispielsweise hilfreich, um Blockaden von Trainingsteilnehmern besser zu hinterfragen und zu lösen, die Beratung beginnt bereits der Auftragsklärung mit dem internen Kunden und die Moderation von Workshopsequenzen findet sich häufig in Trainings wieder, wie etwa bei der moderierten Erarbeitung von Lösungen zu einer Problemstellung.

Wir wissen, dass wir mit unserer Sichtweise bei Kolleginnen und Kollegen zum Teil ein Naserümpfen ernten. Dennoch bestätigen uns unsere Kunden, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Über den Autor:
Der Trainer, Coach und Moderator Marcello Liscia ist geschäftsführender Gesellschafter der Team Liscia GbR in Paderborn. Er ist Experte für Train the trainer und trainiert seit rund 14 Jahren in vier Sprachen internationale Teams.
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