Fachbeiträge

Der lebendige Einsatz von Storytelling im Training

Ein Fachbeitrag von Gabriele Zienterra

Der Einsatz des Storytellings für eine gelungene Überzeugungsarbeit ist ein wichtiger Bestandteil im Training. Denn Geschichten zu erzählen unterstützt bei vielen Aspekten: Wissen zu vermitteln und weiterzugeben, Denkprozesse einzuleiten, Verhaltensweisen auszubauen, Lösungen aufzuzeigen und zum Mitmachen anzuregen. Wenn wir andere Menschen begeistern wollen, ist es wichtig, dass das Erleben und Handeln in deren Gedankenwelt verinnerlicht werden kann. Was wir nicht als Geschichte erlebt oder getan haben, hat weniger Bedeutung für unser Verständnis. Storytelling zielt auf das konkrete Erleben des Zuhörers. Dieser Ansatz leistet etwas Einfaches: die Rückkopplung der Handlungen an die Erlebniswelt des jeweiligen Zuhörers.

Was zeichnet eine gute Geschichte aus?

Als Trainer ist es sinnvoll, eigene Geschichten zu entwickeln und authentisch darzustellen. Im Mittelpunkt steht die verbale Kreativität, die die Phantasie des Zuhörers anregt, so dass innere Bilderwelten entstehen. Folgende Merkmale zeichnen eine gute Geschichte aus.

  • Sie ist anschaulich, Bilder werden im Detail beschrieben.
    Beispiel:
    "Die sonnengebadeten Passagiere stehen trotz Urlaubsentspannung mit steinernen Mienen am Kofferband.“
  • Sie ist spannend und interessant.
  • Sie kann zu Anfang ein Rätsel/ein Geheimnis enthalten.
  • Sie macht die Situation nachvollziehbar: Der Zuhörer sollte beispielsweise einen konkreten Eindruck davon haben, wie es in der Projektgruppe, im Entwicklungsteam oder in der Begegnung mit der internationalen Delegation zugeht.
  • Sie lädt zur Identifikation ein („Das kenne ich. Das ist mir vertraut. Ich kann den Nutzen sofort nachvollziehen.“)
  • Sie hat einen Helden (Sie selbst, Ihr Team, Ihr Produkt, Ihr Kunde,
    ein Auszubildender, der ein schwieriges Problem gelöst hat…)
  • Sie ist dramaturgisch aufgebaut: Sie zeigt Konflikte und Gegenspieler
    (z.B. Wettbewerber) auf.

Achtung: Ausschließliche Erfolgsmeldungen in der Geschichte ermüden und sind nicht glaubhaft!

Sprachliche Voraussetzung

Geschichten werden erzählt, um die Zuhörer zu motivieren, zu begeistern und zu lenken. Durch die entstehenden Emotionen und Gefühle wird der Zuhörer bewegt. Hierfür ist eine detaillierte Beschreibung dieser emotionalen Atmosphäre notwendig. Der Zuhörer kommt dann leichter zu einer bestimmten Meinung oder einer Überzeugung. Daher sind Stories leicht einsetzbare rhetorische Mittel.

Die sprachlichen Voraussetzungen für eine gute, überzeugende Geschichte sind denkbar einfach: Wenn wir so sprechen, dass wir verstanden werden, sprechen wir gut. Daher sollten wir Verständlichkeitsmacher beachten: Kurz, knapp, klar!
Kurze Sätze sind außerordentlich leicht zu folgen. 5-12 Worte reichen aus. Erhöhen Sie  Ihre Überzeugungskraft, indem sie mehr „Punkte“ machen, als es die meisten Menschen tun.

Einsatz von Verben: Sag es treffender

Als Cäsar die Schlacht bei Zela gewonnen hatte, meldete er nach Rom:„Veni, vidi, vici!“ (Ich kam, sah und siegte!)

Wenn Cäsar ein modernes Deutsch geschrieben hätte, so hätte er wahrscheinlich formuliert: „Nach Erreichung des Ortes und Besichtigung lag die Konzentration auf den Sieg, der im Bereich des Möglichen war.“Jemand, der diesen Stil schreibt oder spricht, hätte die Schlacht bei Zela nie gewonnen.

Erleben ist leichter als Denken. Wenn wir anschaulich sprechen wollen, sollten wir diesen Hinweis beachten: Alle Beschreibungen einer bildhaften Lösung sollten sicht-, hör-,  fühl- und riechbare Wörter beinhalten. Je mehr Details wir bei der sprachlichen Ausgestaltung herausarbeiten, desto eher kann der Zuhörer die Geschichte sinnlich wahrnehmen.

Beispiele:

  • Der Duft der Maronen erinnert mich an...
  • Meine Mütze wird vom Wind erfasst und tanzt auf dem Weg, der zum Bootssteg führt...
  • Am Himmel ziehen dunkle Wolken auf, das Wasser kräuselt sich, das Segel flattert wie eine Gardine hin und her...
  • Ich wache auf. Der grelle Lichtstrahl kommt durch das kleine ovale Fenster. Eine laute Stimme tönt: "Liebe Fluggäste, in Kürze erreichen wir..."
    Bin ich denn schon 2 Stunden geflogen? Ich spüre meine Beine und die Knie schmerzen, langsam strecke ich meine Füße mit den Nike-Schuhen an meiner Notebooktasche vorbei.....

Dramaturgie planen

Erzählungen, echte wie auch neu erfundene, folgen immer einer Dramaturgie. Die dramatische Form ist: die Geschichte beginnt mit der Nennung der handelnden Person. Das Thema wird vorgestellt. Nun entstehen Lösungsversuche, die die Spannung halten. Diese können auch im Widerspruch stehen, so dass ein Konflikt entsteht. Hindernisse und Widerstände bauen sich auf. Die Handlung kommt zum Höhe- oder Wendepunkt, an dem sich eine Lösung oder ein Ausweg als die passende herauskristallisiert.

Was ist beim Einsatz der Storytelling-Methode zu beachten?

  • Stellen Sie die Geschichte möglichst an den Anfang. Dadurch hat der Zuhörer zunächst das ganze Bild, um die Argumente und Details besser einordnen zu können.
  • Wählen Sie Geschichten aus, die nicht zu fremd, aber auch nicht zu alltäglich sind.
  • Arbeiten Sie mit mehreren kurzen Geschichten, wenn Sie ein sehr komplexes Thema präsentieren (Geschichte und Gegen-Geschichte).
  • Testen Sie Ihre Geschichten im Vorfeld. Erzählen Sie die ausgewählten Geschichten zunächst   Menschen Ihres Vertrauens und achten Sie auf deren Reaktionen.
  • Erzählen Sie nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern lassen Sie Ihre Zuhörer mitdenken: Jede Geschichte soll auch ein Angebot zum Mitdenken sein.


Bildhaftes Sprechen kann trainiert werden. Fangen Sie an, Menschen oder Objekte zu beobachten und diese im Detail zu beschreiben. Was ist das spezifische und andersartige an ihnen im Vergleich zu anderen. Suchen Sie die kleinen Nuancen und erleben Sie die Fülle unserer Sprache.

Die erzählte Anekdote unterscheidet sich von der geschriebenen wie ein flatternder Falter sich vom aufgespießten Artgenossen unter Glas. Bildhafte Geschichten sind die Kunst, Glauben zu wecken.

 

Es ist an der Zeit,
dass wir die Welt der Bilder nutzen,
damit wir und die anderen mehr Freude am Erlebten haben.

Lassen Sie durch Geschichten Ihre Botschaften lebendig werden.

Wir wünschen Ihnen zahlreiche Bilder und den Schwung des Erfolges
und viele mithörende Menschen.

Über die Autorin


Kommunikationsexpertin Gabriele Zienterra ist  seit 13 Jahren Management-Trainerin, Speaker und Coach. Sie ist Geschäftsführerin des Zienterra® Instituts für Rhetorik und Kommunikation, gegr. 1960 mit Stammsitz in Bornheim/Bonn und Dependance in Berlin. Gabriele Zienterra war 12 Jahre Führungskraft/Executive Managerin in einem internationalen Warenhauskonzern mit mehrjährigen Stationen in Hongkong, Shanghai  und Istanbul.  Sie ist Lehrbeauftragte an der WHU, Otto Beisheim School of Management, Koblenz/Vallendar. Zu ihren Kunden gehören Fach- und Führungskräfte aus allen Branchen. Sie ist Gutachterin für die Zertifizierung von Trainern und Coachs im dvct.

Kontakt: institut@rhetorik-online.de