Fachbeiträge

Wandel "begreifbar" kommunizieren

 

Ein Fachbeitrag von Ralf Lanwehr, Harald Fiedler und Hermann Klöckner

Wie gelingt es der Geschäftsführung, den Mitarbeitern die Notwendigkeit und die Sinnhaftigkeit eines anstehenden Veränderungsprozesses begreiflich zu machen und sie „mitzunehmen“?
Wie vermittelt ein Berater die komplexen Erkenntnisse einer Organisationsdiagnostik verständlich und nachhaltig dem Kunden?
Wie schafft es ein CEO, die Vision und Mission im stressigen Unternehmensalltag nicht aus den Augen zu verlieren?

Dies sind Beispiele für Fragen, die viele von uns immer wieder beschäftigen. Eine gute Antwort ist jedoch gar nicht so leicht zu finden. Die gute, alte Powerpoint-Präsentation allein schafft es in vielen Fällen leider nicht, uns zu fesseln oder Inhalte nachhaltig in unserem Gedächtnis zu verankern. Während der Präsentation wird nämlich gerne noch schnell eine wichtige Email bearbeitet und kurz die Bahnverbindung für später herausgesucht. Die aufbereiteten Folien, die wir später per Email erhalten, werden interessiert überflogen, für erkenntnisreich und gut befunden, und schließlich im Archiv vergraben, wo sie langsam in Vergessenheit geraten. Sorgfältig ausgearbeitete Reports und Newsletter landen häufig in der „low importance“ Schublade unseres Emailfachs, wo sie langsam nach unten rutschen und schließlich als Karteileichen enden – wenn sie nicht sogar auf direktem Wege in den Papierkorb wandern. Wenn dann auch noch die Inhalte der zu übermittelnden Nachricht komplex, theorielastig oder schlicht schwer verständlich sind, hat man schließlich auch die restlichen, überdurchschnittlich interessierten und engagierten Mitarbeiter verloren. Wertvolle Erkenntnisse aus Workshops und Trainings nehmen wir in den Tagen nach dem Workshop als Basis für viele gute Vorsätze. Wir malen uns aus, in welcher Situation wir das Erlernte sinnvoll anbringen können. Wenn diese Situationen dann tatsächlich eintreten, denken wir meist nur mit schlechtem Gewissen an unsere Vorsätze und nehmen uns vor, beim nächsten Mal wirklich etwas anders zu machen – wenn mehr Zeit zur Verfügung steht und etwas weniger Druck herrscht.

So gibt es erstens im Bereich des Change Management Handlungsbedarf, denn empirisch scheitern rund 70% aller Veränderungsprojekte. Einer der Hauptgründe dafür besteht in einer als mangelhaft empfundenen Kommunikation der Maßnahmen an die Mitarbeiter samt der sich daraus ergebenden Konsequenzen. Aber auch in der Personalentwicklung stehen wir zweitens oftmals vor der Frage, wie sich der Transfer der Inhalte in den Arbeitsalltag noch nachhaltiger umsetzen lassen könnte. Was im Konferenzraum noch sinnvoll und machbar erschien, ist im stressigen Alltag oft schwierig durchzusetzen. Strategische Ziele und Baustellen rutschen ob der Vielzahl dringlicherer Probleme und Baustellen in den Hintergrund. Ein dritter Anwendungsbereich ist die Personalauswahl. Die handelsüblichen psychometrischen Tests mögen zwar brauchbare Validitäten aufweisen (und selbst das ist insbesondere in der Persönlichkeitsdiagnostik sogar bei marktführenden Verfahren oftmals nicht gegeben), aber die Vermittlung der Ergebnisse erfolgt klassischer Weise auf einem designbezogenen Kenntnisstand des Fachfremden. Die Reports sind unattraktiv, schlecht strukturiert und schon gar nicht interaktiv.

So weit unsere – zugegebenermaßen etwas deprimierende – Wahrnehmung der Unternehmenswirklichkeit. Das ist insbesondere deshalb so schade, weil sich auf dem Gebiet des Interaction Design in den letzten Jahren bedingt durch rasante Technologieschübe große Entwicklungssprünge ergeben haben. Gelungene, interaktive Infografiken etwa in Museen verdeutlichen, dass solche Konzept funktionieren: Über geeignete Visualisierungen können auch komplexe Zusammenhänge einem breiten Publikum ebenso anschaulich wie eindrücklich vermittelt werden.

Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts mit dem Namen "Kinetische Kommunikation im Change Management" hat sich unser Team der Suche nach einer Lösung für diese Problematik verschrieben. Durch die sichtbare, nachvollziehbare und ansprechende Visualisierung von Prozessen, Ergebnissen und Zielen wollen wir mehr Akzeptanz, Verständnis und Nachhaltigkeit insbesondere in den Bereichen Veränderungsmanagement, Personalentwicklung und Personalauswahl schaffen.

Mit der Umsetzung beauftragt ist ein interdisziplinäres Team aus Designern, Statistikern und Wirtschaftspsychologen, das erhobene Daten analysiert und innovative Konzepte entwickelt, wie man diese verständlich und attraktiv in Auswertungskunst umsetzen kann.

Über moderne Kommunikationselemente, z.B. kinetische Skulpturen und interaktive „Hologramme“, wird erreicht, dass sich Management und Mitarbeiter regelmäßig und langfristiger mit dem Thema auseinandersetzen, dass komplexe Sachverhalte besser verstanden werden – Change wird im wahrsten Sinne des Wortes „begreifbar“.  Wir entwickeln gut sichtbare Tools, welche Managern anschauliche Übersichten über KPIs in Echtzeit zur Verfügung stellen. Und auch die oben skizzierten kinetischen Skulpturen, die an prominenter Stelle im Firmengebäude platziert der gesamten Mitarbeiterschaft den Zugang zu geplanten oder bereits unternommenen Veränderungen ermöglichen, kommen bereits in enger Abstimmung mit Kooperationspartnern aus der Wirtschaft im Rahmen von Veränderungsprozessen zum Einsatz. 

Kurz und bündig: Das Projekt "Kinetische Kommunikation im Change Management" zielt darauf ab, betriebliche Themenstellungen und didaktische Informationsobjekte zu vereinen. Hierdurch werden komplexe Änderungsmaßnahmen, bei denen die Belegschaft eines Unternehmens informiert, gewonnen und mitgenommen werden soll, flankiert und zum Erfolg geführt.

 Über die Autoren:

Ralf Lanwehr ist Prorektor für Forschung der BiTS Iserlohn und Strategieberater mit den Schwerpunkten Führungskräfteentwicklung, Change Management und Organisationsdiagnostik. 

Harald Fiedler ist Statistiker und Big Data Analyst. Als Mitgründer der Cavorit Consulting GmbH kümmert er sich um die fachkundige Aufbereitung und statistische Analyse gesammelter Daten und fungiert zudem als Bindeglied zwischen Beratung und Design. 

Hermann Klöckner ist Professor für Interaction Design und Prodekan an der Hochschule Anhalt im historischen Bauhaus Dessau. Er ist spezialisiert auf Kommunikation im Raum und digitale Gestaltung. Fokus in Lehre und Forschung ist das „Begreifen“ von Daten und Analysen durch innovative Designkonzepte.