Fachbeiträge

Weiterbildung 50PLUS – ein Baustein für erfolgreiches Demographiemanagement

Ein Fachbeitrag von Gerda Schneider

Wir werden älter, wir altern später und wir werden länger arbeiten. Das durchschnittliche Alter der Belegschaften steigt und erfordert ein Umdenken und einen Kulturwandel in den Unternehmen. Ein Baustein für erfolgreiches Demographiemanagement ist ein Weiterbildungsangebot, das an die Bedürfnisse von 50Plus methodisch und didaktisch angepasst ist.

Lernen ist keine Frage des Alters
Lange war die Auffassung verbreitet, dass Menschen mit zunehmendem Alter die Motivation und Fähigkeit zum Lernen verlieren. Der Spruch „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ hat sich manifestiert. Heute weiß man, dass Lernen keine Frage des Alters ist. Geistige Fitness und Lernen sind bis ins hohe Alter möglich und sogar äußerst wichtig. Je mehr man lernt, desto mehr weiß man. Je mehr man weiß, desto besser kann man neues Wissen in vorhandenes integrieren. Auch wenn die fluide Intelligenz abnimmt, so nimmt die kristalline Intelligenz zu. Damit wachsen das Alltagswissen, die Lebenserfahrung, das Urteilsvermögen, die sprachliche Kompetenz und das soziale Wissen.

Die Potentiale Älterer nutzen
Je weniger Junge nachkommen, desto wichtiger werden die Älteren. Die Lebensarbeitszeit wird weiter ansteigen, das ist absehbar. Deshalb tun Unternehmen gut daran, auch ältere Mitarbeiter/innen zu motivieren, sich stetig weiterzubilden. Altersgerechte Angebote für die persönliche Weiterentwicklung, eine Standortbestimmung und Unterstützung beim Übergang in die nachberufliche Phase helfen, die Leistungsfähigkeit und die Motivation der Älteren zu erhalten. Gerade in der Lebensmitte, wenn die Kinder aus dem Haus und die finanziellen Belastungen geringer sind, denken Ältere über neue Herausforderungen nach. Warum nicht nochmals was ganz Neues ausprobieren? Ein Ausbildung, eine Weiterqualifizierung, ein Studium?  Oder ein Sabbatical, eine Weltreise, die Selbständigkeit? Darauf müssen sich Unternehmen einstellen. Personalentwicklung endet oft bei 45, Beschäftigte über 50 erhalten selten die Chance, neue Herausforderungen im Unternehmen anzunehmen. Es gilt, die Potentiale der Älteren besser zu nutzen und ihre Kompetenzen stets weiter zu entwickeln.

Maßgeschneiderte Weiterbildung 50Plus
Um die Potentiale zu entfalten, braucht es meiner Meinung nach spezielle Angebote für Beschäftigte um die 50. Ältere lernen nicht schlechter, aber anders. Sie verfügen bereits über umfangreiches Wissen und Erfahrungen und verknüpfen neue Inhalte damit. Für uns bedeutet maßgeschneiderte Weiterbildung für 50Plus:

  • Kleine, möglichst homogene Gruppen
  • Methoden, die an vorhandenes Wissen und Erfahrungen anknüpfen
  • Viel Raum und Zeit für Erfahrungsaustausch
  • Praxisnahe Übungen aus der Lebenswelt der Teilnehmer
  • Kurze Theorie-Inputs (max. 10 Minuten) und Wiederholungen
  • Strukturiertes Lernmaterial
  • Emotionales Lernen mit Spaß und Humor
  • Modularer Aufbau der Workshops (à 3 Stunden)
  • Respektvoller Umgang und Anerkennung der Erfahrungen
  • (Lebens-)Erfahrene Trainer/innen

Wissen und Erfahrungen weitergeben
Die Erfahrungen und das Wissen, das Mitarbeiter/innen im Laufe ihrer beruflicher Karriere angesammelt haben, sind äußerst wertvoll. Oft wissen die Älteren selbst nicht, was sie alles wissen. Das implizite Wissen zutage zu fördern, wird in den wenigsten Unternehmen strukturiert angegangen. Mitarbeiter/innen gehen meist mit all ihrem wertvollen Wissen und ihren gesammelten Erfahrungen in Rente. Sie reißen ein Loch im Unternehmen und fallen manchmal selbst in ein Loch. Es gibt kaum Vorbereitungen auf die nachberufliche Phase in den Unternehmen. Selten wird gefragt, ob Mitarbeiter/innen bereit sind, sich weiter im Unternehmen einzubringen. Die Älteren spüren keine Wertschätzung ihres Wissens. Die meisten wären sicher bereit, das erworbene Wissen und ihre Erfahrungen uneigennützig zum Wohle des Unternehmens weiterzugeben – während der aktiven Phase, aber auch danach. Dieser Wissenstransfer sollte unterstützt werden, zum Beispiel durch strukturierte und moderierte Gespräche zwischen Älteren und ihren Nachfolgern, Story Telling, altersgemische Teams, Mentorenprogramme oder Beraterpools.

Ausblick und Fazit
Die Rente mit 67 ist erst der Anfang. Die Zukunft wird den Arbeitgebern gehören, die frühzeitig die Weichen stellen und einen Kulturwandel zu mehr Wertschätzung der Älteren im Unternehmen einleiten. Kein Unternehmen wird es sich in Zukunft leisten können, auf die Erfahrungen und die Leistungsbereitschaft ihrer älteren Mitarbeiter/innen zu verzichten. Eine wichtige Rolle nehmen dabei die Führungskräfte ein, die dafür sensibilisiert werden müssen.

Lebensphasenorientierte Personalpolitik und Weiterbildung, eine Flexibilisierung der Arbeitszeit und lebenslanges Lernen werden immer wichtiger. Dabei müssen individuelle Lebens- und Berufsphasen besser berücksichtigt und sinnvoll verbunden werden. Das Ziel ist eine sinnvolle Balance von Lernen, Arbeit und Erholung – in jeder Lebensphase. Nur so schafft man es, dass die geleistete Arbeit auch nach 50 Berufsjahren noch Freude bereitet, Sinn stiftet und für das Unternehmen wertvoll ist.

Über die Autorin
Gerda Schneider hat 2014 bausteine 50PLUS gegründet, weil sie in ihren Seminaren spürte, dass Ältere andere Bedürfnisse haben. Unter dem Motto „Neues entdecken. Erfahrung nutzen.“ bietet sie ein maßgeschneidertes Seminar- und Vortragsprogramm, das auf Menschen über 50 abgestimmt ist. Aber auch für Führungskräfte gibt es Angebote, um sie für die vielfältigen Herausforderungen der demographischen Entwicklung zu wappnen.

Mehr dazu unter: www.bausteine-50plus.de