Fachbeiträge

Erfolg im Spannungsfeld: Die 3 Kernfaktoren im Business Training

Ein Fachbeitrag von Jörn Ehrlich

Jörn Ehrlich

 

 

1.  Ich - Der Business Trainer als Führungspersönlichkeit / Die Führungspersönlichkeit als Business Trainer

Trainer stehen in einer speziellen Aufmerksamkeitssituation vor einer Gruppe von Menschen. Zu Inhouse-Trainings werden die Teilnehmer in der Regel geschickt, das heißt sie sind nicht wirklich freiwillig anwesend und ihnen ist nicht von Anfang an klar, dass sich die Teilnahme für sie lohnen kann. Aber auch freiwillig anwesende Seminarteilnehmer schätzen die Relevanz der angebotenen Informationen danach ein, von wem die Signale kommen und welche Qualität vom Trainer ausgeht:

Wie wirkt der Mensch da vorn auf mich? Finde ich dies überzeugend?
Mit welcher Grundhaltung kommuniziert er?
Kann ich diesem Menschen vertrauen?
Kommuniziert er klar und verständlich?
Diese Fragen stellen sich im Übrigen auch Arbeitnehmer, wenn sie auf ihre Vorgesetzten schauen.

Wie auch in anderen Face-to-Face-Kommunikationssituationen macht im Trainings-Kontext die unbewusste Beziehungsebene mehr als 80% der Erfolgsfaktoren aus. Über die Erscheinung, die Stimme, die Körpersprache, der „Bühnenpräsenz“ im Raum und der Zuwendung zu den Teilnehmern legt der Trainer das Fundament, auf dem er mit seinen Inhalten die gewünschte Veränderungsbereitschaft bei den Teilnehmern aufbaut.

Ein Beispiel:

Wer als Business Trainer nicht vor der Gruppe stehen und kongruent sagen kann: “Ich freue mich, heute vor Ihnen zu stehen und ich bin neugierig, mit wem ich hier zusammenarbeiten darf”, braucht sich nicht zu wundern, dass sich die Teilnehmer auch nicht mit Freude und Neugier auf das dann folgende Trainings-Seminar einlassen können.

Business Trainer fungieren mit ihrer Präsenz immer wieder als Vorbild für die Teilnehmer.

Inwieweit sich Trainer als “Manager des Kompetenzerwerbes der Gruppe“ verstehen können, hängt im starken Maße von ihren Möglichkeiten der positiven Beeinflussung der Teilnehmer auf der Beziehungsebene ab. Dabei gibt es verschiedene Unter-Ebenen:

·           Erscheinung: Wirkt der Trainer / der Präsentator durch Kleidung, Frisur, Accessoires etc. Vertrauen erweckend und seriös?

·           Stimme: Kann derjenige, der dort vorn vor der Gruppe steht, mit seiner Lautstärke, Sprechgeschwindigkeit, Aussprache, Modulation etc. die Teilnehmer erreichen und motivieren?

·           Körpersprache: Vermittelt der Trainer mit Gestik und Mimik Kraft, Klarheit und Kongruenz?

·           „Bühnenpräsenz“: Wie nutzt der Trainer den Raum? Geht er den Teilnehmern gegenüber angemessen mit Nähe und Distanz um?

·           Zuwendung: Fühlen sich die Teilnehmer durch Ausrichtung und Blickkontakt wahrgenommen und respektiert?

·           Präsentationsfähigkeiten: Passen die didaktischen und medialen Angebote zu den Wahrnehmungsgewohnheiten der Teilnehmer?

Auf all diesen Ebenen können sowohl Trainer als auch Führungskräfte Wirkung erzeugen, auf die dann natürlich die Qualität der Inhalte aufsetzen sollte.

Innere Haltung

Außerdem spielt die innere Haltung im Kontakt mit neuen Menschen, interessanten Informationen und Lernprozessen eine große Rolle. Von den Teilnehmern zu fordern, ihre Komfort-Zone zu verlassen, aber selber in sicheren Standards des Gewohnten zu verharren, wird – wenn überhaupt – höchstens zu Teilerfolgen führen. Eine Haltung als Führungspersönlichkeit, die Veränderungsprozesse gezielt initiieren kann, bewirkt indes, dass auch die Teilnehmer die Verantwortung im Veränderungsprozess für sich selbst übernehmen können und wollen.

Des weiteren beeinflusst die innere Haltung von Trainern wie Vorgesetzten das Lern- und Arbeitsklima. Glaubenssätze und Menschenbild prägen massiv und unbewusst unser aller Verhalten und Ausstrahlung. Menschen, die aus einem feindlichen Weltbild oder einer Haltung der Verunsicherung heraus versuchen, für Vertrauen zu werben, werden damit in der Regel auch nur wenig Erfolg haben.

2. Inhalte – Wertvolle Informationen brauchen positive Emotionen

Fast jeder Trainings-Auftrag beinhaltet den Anspruch, neue und (hoffentlich) nützliche Inhalte an die Teilnehmer zu vermitteln. Diese Vermittlung wird jedoch nicht dadurch gewährleistet, dass der Trainer den Teilnehmern sein gesammeltes Wissen frontal vorträgt. Denn allein die Zur-Kenntnisnahme neuer Informationen reicht für die Teilnehmer nicht aus, um nach dem Training eine andere Einstellung zu finden, anders zu denken oder sich nachhaltig anders zu verhalten. Die Macht der Gewohnheit und die Angst vor dem Neuen brauchen einen stärkeren Impuls, um sich gezielt auf Veränderungen einzulassen.

Diese Hürde müssen auch Führungskräfte im Umgang mit ihren Mitarbeitern überwinden.

Erfolgreiches Lernen ist immer emotional eingefärbt, das heißt, wenn Menschen in Kontakt mit neuen Inhalten kommen, ist es hilfreich, wenn sie sich dabei gut fühlen. Die Verantwortung, diesen Kontakt für die Teilnehmer passend zu gestalten, trägt der Business-Trainer. Eine gezielte Auswahl der Informationsdichte (Geschwindigkeit, Breite und Tiefe des zu vermittelnden Wissens) sowie des methodischen und didaktischen Konzepts erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Inhalte die Teilnehmer auch emotional erreichen:

Informationsgeschwindigkeit: In welcher Taktung sollten die Informationen angeboten werden, damit sie von den Teilnehmern positiv aufgenommen werden können?
Informationsbreite: Wie viel Informationsstränge brauchen die Teilnehmer, um das Thema zu verstehen und gezielt umzusetzen?
Informationstiefe: Wie tief im Detail sollten die Informationen aufbereitet sein, damit die Teilnehmer das Ziel verstehen und umsetzen können?
Methodik: Welche Methoden sind geeignet, um die Inhalte motivierend an die Teilnehmer zu vermitteln?
Didaktik: Wie kann der Lernprozess für die Teilnehmer effizient, emotional und damit nachhaltig gestaltet werden?
Um nachhaltig wirksam zu sein, muss der Trainer die Teilnehmer mit spannenden Informationen versorgen und emotional berühren, damit diese sich freiwillig und gezielt aus ihrer Komfort-Zone bewegen.

3. Wir – Die Gruppe und ihre Dynamik 

Eine positive Gruppendynamik lässt sich auch als erfahrener Business Trainer nicht garantieren. Der Einfluss der Beziehungsqualität zwischen den Teilnehmern ist in den meisten Fällen nicht offensichtlich. Reibungen, die das Training stören, werden meist erst dann erkennbar, wenn die Störung schon eingesetzt hat. Konflikte, die durch eine negative Gruppendynamik der Teilnehmer zu Blockaden führen, werden in der Regel nicht offen ausgetragen. All dies lässt den Schluss zu, dass Trainer die Gruppendynamik zwar nicht kontrollieren, aber durchaus wirksam steuern können.

Steuerung statt Kontrolle

Fast jeder Trainings-Auftrag beinhaltet die Vermittlung von Inhalten - die Ausnahme bildet die Moderation. Ein Moderationsauftrag bedeutet in der Regel, dass die Inhalte von den Teilnehmern geliefert werden und der Moderator dafür sorgt, dass die (im Vorfeld häufig festgefahrene) Auseinandersetzung mit den oftmals konträren Inhalten zielorientiert und wertschätzend abläuft und die Ergebnisse von allen getragen werden.

Moderatoren haben diverse Hebel, um die Gruppendynamik gezielt zu steuern:

Erwartungen: Wie muss das Ziel formuliert sein, um alle Teilnehmer ins Boot zu holen?
Regeln: Welche Regeln in der Kommunikation können von allen Teilnehmern getragen werden?
Entscheidungen: Welche Auswahl- und Abstimmungsverfahren eignen sich, um Entscheidungs-Prozesse sinnvoll zu gestalten?
Grenzen: Welche Konsequenzen haben Grenzüberschreitungen durch einzelne Teilnehmer?
Thematisierung der Machtfrage: Wie viel Transparenz ist hier erlaubt?
Moderationskompetenzen befähigen Trainer und ebenso natürlich auch Führungskräfte, die Gruppendynamik ihrer Teilnehmer bzw. ihrer Teams zu verstehen und gezielt zu steuern.

Bei einem ausgewogenem Zusammenspiel der drei Kernfaktoren „Inhalt“, „Wir“ und „Ich“ steht einem erfolgreichem Seminar und einer erfolgreichen Führungstätigkeit nichts mehr im Wege.

Über den Autor:

Jörn Ehrlich ist Diplom-Sportwissenschaftler, Unternehmer, systemischer Berater, Mediator, Trainer und Management-Coach. Seit 1991 tätig als Trainer und Ausbilder zum Change-Manager, Coach und Mediator. Gründer und Geschäftsführer des Ausbildungsinstituts V.I.E.L Coaching + Training, Hamburg. DVNLP Lehrtrainer, DVCT Gutachter. Außerdem unterstützt Jörn Ehrlich Führungskräfte und Teams bei der Lösung von Konflikten und beim Erreichen ihrer Ziele. www.viel-coaching.de