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"Positive Psychologie für Coachs und Trainer*innen“
Prof. Dr. Nico Rose

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Gerd Metz

Senior Business Coach, Trainer, Psychotherapeut

Rosenaustr. 5
90429 Nürnberg

Tel: 0911-269050
Fax: -
Mobil: -
Sprachen:
  • Englisch
  • Deutsch
Jahrgang: -
Aktiv seit: 01.01.1990
E-Mail: metz@gerdmetz.de
Internet: http://www.mbsr-coaching-nuernberg.de

Beschreibung

Ich bin Senior Business Coach (zertifiziert durch den Berufsverband Deutscher Psychologen BDP) und Supervisor BDP

Trainer (27 Jahre Odenwaldinstitut, 3 Jahre IBM-Akademie für Führungskräfte. Seit 2 Jahren Akademie Heiligenfeld, Bad Kissingen)

Approbierter Psychotherapeut. Akkreditiert bei der Psychotherapeutenkammer Bayern für die Fortbildung von Ärzten und Psychotherapeuten in MBSR Mindfulness Based Stress Reduktion.

Gebe MBSR-Trainings für die Zielgruppen Führungs-kräfte, Coaches, Berater, sowie Ärzte, Psychothera-peuten und andere Heilberufe - in Gruppen, sowie als Personal Training. In Erweiterung dazu habe ich einen Fernkurs für einen Zeitraum von ca. 1 Jahr entwickelt, welcher darin unterstützt, die Elemente des Trainings - und mehr -  im Alltag wirklich zu implementieren.

Eigene Fortbildungen u.a. in systemischer Individual- und Organisationsberatung (Heidelberger Systemiker); Bewusste, dialogische Kommunikation nach Bohm (Trigon); Familien-, Organisations- und Strukturaufstellungen; anwendungsorientierte Meditation für Führungskräfte (Akademie für Führungskompetenz Holzkirchen und Trigon, Rudi Ballreich); Presencing und Theorie U (Otto Scharmer); Integrale Theorie; burn-out Prophylaxe und Stressmanagement.

Mitarbeit im Arbeitskreis "Bewusstseinskultur" an der Universität Regensburg, Lehrstuhl für Angewandte Bewusstseinswissenschaften, Prof. Thilo Hinterberger.

Meine Coachings und Trainings orientieren sich wesentlich an:

a) dem Prinzip Achtsamkeit und Bewusstheit. Durch den Einsatz von Bewusstseinstechniken lassen sich Erlebens- und Verhaltensmuster klarer erkennen, unerwünschte Automatismen verringern und größere innere Freiheitsgrade für selbstbestimmtes und konstruktives Verhalten aufbauen.

b) Integralen „Landkarten“ und Erklärungsmodellen. Diese Modelle beschreiben und berücksichtigen die engen systemischen Wechselwirkungen zwischen: der Gesamtheit der äußeren Lebensverhältnisse eines Menschen, innerpsychischen Vorgängen, äußerem Verhalten und Entscheidungen, sowie zwischen-menschlichen Stimmungen und Beziehungs-gestaltungen. Jede dieser Dimensionen beeinflusst die anderen und wird ihrerseits von diesen beeinflusst.

Coaching-Klienten haben die Gelegenheit (wenn sie wollen) an dem von mir entwickelten online-Programm Das Lebenskunstprojekt teilzunehmen, welches aus individuell variierbaren Bausteinen besteht. Diese  verstärken sich gegenseitig und haben zum Ziel sich „ein gutes Leben“, eine größere Bewusstseinsdichte und Gelassenheit aufzubauen.

 

 

 

 

 

 

 

Branchen

  • IT/Neue Medien
  • Umwelt/Energie
  • Politik/Soziales
  • Chemie/Pharma
  • Banken/Finanzen

Schwerpunkte

  • Work-Life-Balance
  • Identität und Persönlichkeit
  • Potenzialentwicklung
  • Führung und Management
  • Stressmanagement

Zielgruppen

  • Politiker
  • Künstler
  • Geschäftsleitung
  • Bereichsleitung
  • Abteilungsleitung

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  • Eine Kultur der Achtsamkeit

    In seiner letzten Weihnachtsansprache 2009 hat Ex-Bundespräsident Horst Köhler zu einer „Kultur der Achtsamkeit“ aufgerufen und dazu, „bewußter zu leben“ (siehe www.bundespraesident.de). Er benannte damit in seiner Rede mehrmalsdiejenige Geisteskraft, die in Zukunft der wesentliche Schlüsselfaktor sein wird für das Schicksal und die weitere Entwicklung der Menschheit.

    Der Weckruf allein erzeugt diese Kultur aber noch nicht. Sie muß vielmehr mit Umsicht, Wissen, Methodik und Geduld angeregt und kultiviertwerden. Auf individueller Ebene, aber auch in großem Stil auf kollektiver Ebene, in unseren Schulen und Bildungseinrichtungen, in unseren Familien und Beziehungen, in unseren Firmen und Organisationen, in unseren politischen Institutionen und Körperschaften und in unseren Medien.

    Achtsamkeit ist in der Psychologie, im Coaching und in einigen besonders „wachen“ gesellschaftlichen Kreisenin den letzten4-5 Jahren bereits zu einem Modewort geworden. In einigen Firmen werden inzwischen sog. MBSR-Kurse angeboten (Mindfulness Based Stress Reduction, also Stressminderung durch Achtsamkeit) und einige Verlage bringen ein Buch nach dem anderen zum Thema heraus.

    Das Prinzip Achtsamkeit findet immer mehr Beachtung. Das ist gut so und auch dringend nötig. Insbesondere die Gehirnforschung und die Neurowissenschaften belegen ihre Bedeutung auf beeindruckende Weise.

    Aber um eine über den persönlichen Bereich hinausgehende größere gesellschaftliche Wirkung zu erreichen, um zu bewirken, daß ganze Organisationen und Teams davon profitieren, braucht es eine professionelle, nachhaltige und auf eine breite Basis gestellte Schulung dieser menschlichen Ressource.

    Im Folgenden werde ich auf eine Diskussion der gesellschaftlichen Bedeutung und Wirkung einer wachsenden Zahl von Achtsamkeit praktizierenden Menschen verzichten und mich auf die Klärung des Begriffs und dann auf den Ausschnitt einer möglichen innerbetrieblichen Bedeutung und Wirkung der Achtsamkeit beschränken.

     Was ist Achtsamkeit?

    Zunächst aber, um falschen Vorstellungen und Missverständnissen gleich vorzubeugen, ein Wort darüber, was mit der Haltung der Achtsamkeit nicht gemeint ist. Nicht ist damit gemeint eine bemühte „hab acht“- oder „pass auf“-Haltung, also alles was wir z.B. mit elterlichen oder schulischen Ermahnungen assoziieren könnten. Achtsamkeit ist vielmehr ein uns durchaus natürlich, spontan und ohne Anspannung zugänglicher Geisteszustand. Er ist also leicht und spontan herstellbar, aber:                                        a) Er ist nicht leicht aufrecht zu erhalten                     b) wir sind uns seiner besonderen Schlüsselbedeutung für die Qualität unseres Lebens nicht richtig bewusst    c) er ist durch mentale Gewohnheiten und seelische Automatismen in der Regel verschüttet.

    Achtsamkeit wird außerdem meist mit Aufmerksamkeit oder Konzentration verwechselt. Aufmerksamkeit ist zwar in ihr enthalten, aber Achtsamkeit ist weit mehr. Sie ist diejenige Ebene, von der aus wir - wenn sie aktiviert ist - unsere Aufmerksamkeit steuern. Es sei denn wir befinden uns gerade im Autopilot-Modus, in welchem unsere Denk-, Gefühls- und Verhaltensabläufe eine gewisse „mechanicalness“ aufweisen und von Gewohnheitsmustern gesteuert sind. Im Bewusst-seinsmodus des Autopilot wird unsere Aufmerksamkeit allein von den Aufforderungsreizen der äußeren Situation, den Aufforderungsreizen unserer Bedürfnisse und unseren inneren Verhaltens- und Denkprogrammen gesteuert. Dies ist der „gewöhnliche Wachzustand“ und in diesem Autopilot-Modus befinden wir uns die meiste Zeit des Tages. So wie ein Flugzeug, auf das Flugprogramm, also auf Autopilot eingestellt, über den ganzen Atlantik fliegen kann, so können wir im Autopilot-Modus durch unseren Tag gehen und dabei unsere Aufgaben erledigen. Dabei können wir durchaus sehr konzentriert und aufmerksam sein. So wie wir ja auch in unseren Träumen z.B. sehr konzentriert sein können.

    Hingegen wachen wir im Zustand der Achtsamkeit aus dem Autopilot-Modus – oder der Alltags-Trance - auf. Ein Merkmal davon ist, daß wir unsjetztdessen gewahr sind, was gerade in unseremBewusstsein abläuft - während es abläuft. Sei es eine Gedankenkette, eine Stimmung, ein Wollen oder ein Handlungsablauf. Dies ist eine spezifisch menschliche Fähigkeit, von der wir annehmen, daß sie Tieren, die zwar hoch konzentriert oder aufmerksam sein können, nicht zu eigen ist. (Und im Traum haben wir Menschen diese Fähigkeit normalerweise auch nicht. Ausnahme wäre hier das sog. lucide Träumen)

    Somit haben wir es bei der Achtsamkeit mit der „obersten Führungsebene“ innerhalb der psychischen Organisation des Menschen zu tun. Sind wir achtsam, ist die „oberste Führungsebene“ aktiv und präsent, sind wir nicht achtsam, dann funktionieren wir aus dem Autopilot-Modus, aus angelernten Automatismen und gewohnheitsmäßigen Antrieben heraus - die nicht unbedingt immer optimal zu den jeweils einzigartigen Bedingungen passen müssen, denen wir uns gerade gegenübersehen.

    Zusammengefaßt: Der Bewusstseinsprozess der Achtsamkeit ist eine Funktion des menschlichen Geistes. Sie nimmt eine zentrale Schlüsselrolle innerhalb derjenigen menschlichen Fähigkeiten ein, die zu einem „guten Leben“ beitragen können. Sie ist deshalb so zentral, weil sie die „oberste Führungsebene“ innerhalb einer Person nutzt und qualifiziert, nämlich ihr Bewusstsein. Und weil von ihr der abgestimmte und gut koordinierte Einsatz vieler weiterer Fähigkeiten und Verhaltensweisen abhängt (Selbstführung, Personal Mastery).

    Werden wir noch etwas konkreter: Achtsamkeit ist eineKontaktfunktion. In der achtsamen Verfassung sind wir besser in Kontakt und verbunden, z.B.:

    Mit uns selber:                                                         Mit unserem Körper und seinen Empfindungen, seinen Haltungen und Bewegungen, seinen Bedürfnissen, seinen Spannungs- und Entspannungszuständen, seinen Stresssignalen; mit unseren Gedanken und Gefühlen, mit unseren Ambitionen und Zielen, mit dem was uns antreibt und mit dem was uns zur Ruhe kommen lässt; mit unserer Mitte. Kurz: wir werden dadurch integrierter, kohärenter und gesammelter.

    Mit unseren Mitmenschen:                                              Mit dem was sie direkt und indirekt kommunizieren, mit ihren andersartigen Perspektiven und Ausgangslagen, mit ihren Besonderheiten und ihren besonderen Fähigkeiten, mit ihren Bedürfnissen, mit dem was uns verbindet, mit dem Atmosphärischen in einer Gruppe oder einem Team, mit den kulturellen Prägungen meiner selbst und meiner Gegenüber. Kurz: wir sind mehr in Kontakt mit den Bewegungen und Stimmungen des zwischenmenschlichen Feldes.

    Mit den Dingen und Vorgängen des Alltags:                     Im achtsamen Kontakt mit den Dingen, mit denen wir umgehen, verursachen wir weniger Fehler, Pannen, Störungen und Kosten. Und wir beachten Probleme, solange sie noch klein und in der Entstehungsphase sind und bevor sie groß, zeitintensiv und kostspielig werden. Wir halten unsere dingliche und natürliche Welt in Ordnung und beachten ihre Gesetzmäßigkeiten. Kurz: wir sind in Kontakt mit der Realität.

    Mit den übergeordneten Strukturen und Einheiten, mit dem Kontext, mit dem „Feld“:                                        Auch größere strukturelle Einheiten, wie z.B. eine Firma, der Markt oder die Gesellschaft „leben“, sie bewegen und verändern sich. Wir verstehen, wie unsere Firma „tickt“, weil wir in Kontakt mit ihren Strukturen und „Atmosphären“ sind. Aus einem Gespür für größere Zusammenhänge und ihre Dynamiken (Firma, Markt, Gesellschaft), vermögen wir die Gegenwart als fließend zu erleben und sie von der Zukunft her zu leben und zu gestalten. Wir fliessen mit. Kurz: Wir sind in Kontakt mit den uns umgebenden Systemen und ihren Kräften. Wir sind in Kontakt mit der Zukunft.

    Mit der Zeit:                                                            Im Kontakt mit der Zeit „managen“ wir sie nicht, sondern wir beachten sie. D.h. wir haben ein Gespür für Zeiträume, Zyklen, Rhythmen, Abläufe in der Zeit. Wir organisieren unsere Aktivitäten als einen „zärtlichen Tanz mit der Zeit“. Wir pressen unsere Zeiträume nicht übervoll mit Aufgaben, sodaß wir noch „Luft“ zum Atmen haben und nicht den Kontakt zu uns selber verlieren (siehe erster Punkt). Wir lassen uns nicht besinnungslos jagen und hetzen. Kurz: Wir tanzen mit der Zeit.

     Die ordnende Kraft der Achtsamkeit

    Dieses „gut in Kontakt sein“ hat des weiteren eine sanft ordnende und klärende Wirkung auf die oben beschriebenen Bereiche: Es trägt bei zu Ordnung und Klarheit im Kopf und Gemüt des Achtsamkeit Praktizierenden, zu einer „inneren Aufgeräumtheit“. Es hilft, in privaten und beruflichen zwischenmenschlichen Beziehungen Missverständnisse und Verletzungen zu minimieren, eine Atmosphäre der gegenseitigen Wertschätzung zu kultivieren und trägt zu „geklärten zwischenmenschlichen Räumen“ bei. Es hilft, Ordnung zu erhalten oder zu schaffen in den uns umgebenden Dingen und gut koordiniert im Zeitstrom zu handeln. Wir erkennen und verstehen verschiedenste Formen von Unordnungen in den übergreifenden Strukturen und Systemen in denen wir leben und arbeiten und tragen - im Rahmen unserer Möglichkeiten - zu ihrer Harmonisierung und Weiterentwicklung bei. Wir stellen uns „infektiösen“ Spannungen und Unordnungen aus der Umgebung nicht mehr so leicht „zur Verfügung“. Wir sind öfter in der Lage, selbst mehr Teil der Lösung als Teil des Problems zu sein.

    Es gibt zwei gegenläufige Grundkräfte in der Natur und in der Psyche. Das eine ist die Kraft zunehmender Zerstreuung, Verflachung und Auflösung (Entropie), das andere ist die Kraft der ordnenden Gestaltung, der aufbauenden Harmonie und Höherentwicklung (Negentropie). Diese letztere Kraft hat etwas mit Geist zu tun und in der menschlichen Sphäre ist Achtsamkeit ihr Wesen.

    Der Ordnungsaspekt ist nicht rigide und normativ zu sehen, denn das Leben fließt zwischen den Polen verkrustende Rigidität und Routine einerseits und Unordnung bis Chaos andererseits. Ein gewisses Maß an Unordnung und das Aufbrechen verkrusteter Strukturen und Gewohnheiten durch Krisen und neue Entwicklungen ist für eine evolutionäre Weiterentwicklung des Lebens und seiner Strukturen unabdingbar. Die Kultivierung der Achtsamkeit trägt dabei zu einer gewissen Elastizität und Resilienz der Personen und Organisationen bei, sodaß aus Krisen Chancen der Weiterentwicklung werden können.

    Achtsamkeit und die Wilber-Quadranten

    Die Quadranten der vier Seinsdimensionen nach Ken Wilber geben eine gute Landkarte und Orientierung, um die zentrale Bedeutung der Achtsamkeit im Kleinen wie im Großen, im Innen wie im Außen darzustellen und auf Wechselwirkungen zwischen den vier Feldern aufmerksam zu machen.

    Mit der Kombination zweier grundsätzlicher Unterscheidungen kommt Ken Wilber zu einem allgemeinen Orientierungsrahmen, in welchem „All und Alles“ seine Zuordnung hat und miteinander in Beziehung gesetzt werden kann. Diese sind:

    1) Die Unterscheidung zwischen der subjektiven Innenwelt bzw. der Welt des Geistes und der objektiven Außenwelt bzw. der Welt der Materie                          2) Die Unterscheidung zwischen Einzelphänomenen, Einzeldingen und dem Verhalten individueller Lebewesen einerseits, sowie Gruppenphänomenen, übergeordneten Kontexten und Strukturen, und dem Verhalten von Kollektiven von Lebewesen andererseits.

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    Wenn ich mit meinem Team-Kollegen einen Konflikt über einen bestimmten Arbeitsablauf habe und mich über ihn ärgere, dann sind die vier Seinsdimensionen z.B. in folgender Weise angesprochen:                     

    In meiner individuellen Psyche, in meinem Ich gibt es meine ganz persönliche Sichtweise, meinen „inneren Film“ und meinen Ärger. In unserem gemeinsamen zwischenmenschlichen Raum, in unserer subjektiven Beziehung gibt es eine für uns beide spürbare emotionale Spannung. In der äußeren Welt der Dinge, Arbeitsabläufe und Verhaltensweisen gibt es ein Problem oder eine Dysbalance. Und dies alles findet in einem größeren äußeren Kontext statt, wie z.B. meine Firma in der ich arbeite, ihre Struktur und Organisation und ihre Situation im Markt.

    Eine andere Situation könnte z.B. sein, daß ich mich innerlich ausgeglichen, offen und gelassen fühle und mich außerdem - dazu passend - mit meinem Team-Kollegen in einer Atmosphäre des Aufeinander- eingehens und Sich-respektierens erlebe. Der äußere Fluss meiner und seiner Handlungen ist situationsgerecht, zieldienlich und aufeinander abgestimmt. Dies findet wiederum im größeren strukturellen Gesamtkontext unserer Firma statt, der wiederum auf unsere Verhaltensweisen und unser Innenleben einfärbt.

    Auch wenn man jedes dieser vier Felder einzeln und für sich zum Gegenstand der Beachtung und Untersuchung machen kann, sind sie jedoch die immer gleichzeitig existenten vier Dimensionen jeder Situation und jedes Ereignisses. Und sie stehen in innigen gegenseitigen Kopplungen und Wechselwirkungen, d.h. Ereignisse, Störungen oder Harmonisierungen in einem Feld haben unmittelbare Rückkopplungen auf die anderen Felder. Eine integrale Sichtweise und Lebenspraxis berücksichtigt somit alle vier Felder. Eine Ausführung dieser Wechselwirkungen würde hier zu weit führen, der Leser kann sicherlich seine eigenen interessanten Beobachtungen und Überlegungen dazu anstellen (siehe auch: Wilber „Ganzheitlich handeln“; und Wilber & al. „Integral Life Practice“ )

    Eine Kultur der Achtsamkeit würde sich also auf alle vier Felder auswirken und hätte somit, vermittelt über die Gleichzeitigkeit und Kopplung der vier Felder, eine subtil durchdringende und aufbauende Wirkung auf alle Lebensbereiche der Menschen oder einer Firma.

    Eine Firmenkultur der Achtsamkeit

    Stellen Sie sich vor, eine Firma oder Organisation würde sich die Kultivierung der Achtsamkeit auf Ihre Fahnen schreiben und entsprechende Programme dazu auflegen. Was könnte das längerfristig für Auswirkungen haben? Einige oder alle der folgenden Effekte könnten eintreten:                                  

    Einige der an den Programmen teilnehmenden Mitarbeiter und Führungskräfte würden erfolgreich darin sein, die gelernten Methoden der achtsamen Selbstfürsorge allmählich in ihrem Alltag umzusetzen und würden dadurch ausgeglichener und zentrierter wirken. Ihre Stimmung würde sich im Durchschnitt anheben und man würde ihnen das in ihrer Ausstrahlung anmerken. Hier und da würden sie nach einiger Zeit vielleicht von einem Kollegen oder Vorgesetzten darauf angesprochen werden, die eine oder andere positive Bemerkung würde fallen und man würde sich vielleicht über das Thema Achtsamkeits-praxis austauschen oder auf das von der Firma angebotene Trainingsprogramm hinweisen. Ganz allmählich würde sich so die Kunde von den wohltuenden Wirkungen „der Achtsamkeit“ von einer Person zur anderen, von einer Abteilung zur anderen weiterverbreiten. Vielleicht würde sogar manchmal ein Team eine entsprechende Schulung zusammen machen.

    Wenn mehrere Personen aus einem Team eine Achtsamkeitsschulung gemacht haben, würden diese sich mit hoher Wahrscheinlichkeit gegenseitig weiter darin motivieren und in der Umsetzung und Anwendung im Arbeitsalltag unterstützen und somit einen positiven, stabilisierenden Einfluss auf das Team haben. Umso mehr, wenn das gesamte Team eine solche Schulung gemacht hat. So könnte sich im Team allmählich eine Atmosphäre, eine Kultur der Achtsamkeit entwickeln.

    Durch eine Stimmung ruhiger und gelassener „Geistes-Gegenwart“ würde die Fehlerhäufigkeit bei Individuen und Teams sinken und damit u.U. enorme Kosten eingespart werden.

    Das „Zusammenspiel“ würde besser funktionieren, ähnlich wie bei einer gut eingespielten Fußball-mannschaft, bei der die Spieler die Laufwege ihrer Kollegen richtig einschätzen und die Pässe gut funktionieren. Der produktive und für die seelisch-körperliche Gesundheit sehr zuträgliche geistige Flow-Zustand würde in Individuen und Teams des öfteren auftreten und für Wohlbefinden und Teamspirit sorgen (Csikszentmihalyi:“Flow. Die Erfahrung des Glücks“).

    Die entstehende Atmosphäre würde das grundlegende menschliche Bedürfnis nach Anerkennung, Zugehörigkeit und „gesehen werden“ befriedigen und somit das „Aufblühen“ der Menschen fördern. Fehlzeiten würden zurückgehen.

    Den Menschen würden in ihren verschiedenen Arbeitsbereichen ineffektive oder fehlerhafte Abläufe und Strukturen oder Verbesserungsmöglichkeiten deutlicher bewusst werden, sie würden diese Wahrnehmungen angstfrei an ihre zuständigen Führungskräfte rückmelden und diese würden diesen Bewusstseinszuwachs für die Firma schätzen und anerkennen. Die Firma würde zu einer wahrhaft kontinuierlich lernenden Organisation werden – auf allen Ebenen.

    Die Führungskräfte in den strategischen Positionen würden lernen, wie sie sich in einen entspannten und geweiteten geistigen Zustand versetzen können (Metakognition; alpha-Zustand), um aus diesem heraus ihre Strategieentscheidungen umsichtig, klar und flexibel treffen zu können (siehe: Rudi Ballreich: Metakognition in der Strategiearbeit, TrigonThemen 1/09, www.trigon.at)

    Was müsste eine Firma also tun, wenn sie auf eine Kultur der Achtsamkeit setzen will?

    Wichtig wäre, daß die dafür Verantwortlichen sich klar machen, daß es hierbei eher um einen Entwicklungsprozess als um einen Trainingsprozess geht. Entwicklung kann man nicht „machen“ oder antrainieren, sie geschieht, wenn die entsprechenden nahrhaften physischen, emotional-sozialen und intellektuellen Anreize im Umfeld vorhanden sind.

    Mit dieser Haltung und der mit ihr einhergehenden Geduld im Hintergrund, könnte man dann anfangen, „den Samen der Achtsamkeit zu sähen“. Diese Metapher aus der Botanik ist insofern ganz passend, weil die Entwicklung der Achtsamkeit ein ganz allmählicher Prozess ist, vergleichbar dem Wachstum von Pflanzen. Und ähnlich wie das Wachstum von Pflanzen „Licht, Luft, Wasser und Nährstoffe“ braucht und ihre Entwicklung gewissen innewohnenden Gesetzmäßigkeiten und Dynamiken folgt, so braucht auch eine „Kultur der Achtsamkeit“ ein geduldiges und wissendes Gärtnern. Die „Früchte“ werden es lohnen.

    Ein Vortrag in den Veranstaltungsräumen der Firma könnte z.B. das Thema einführen, seine Relevanz deutlich machen und bei einigen Zuhörern ein erstes Interesse wecken.

    Die Vermittlung der Grundlagen der Achtsamkeit könnte man in Form eines Basiskurses in das Personal-entwicklungsangebot der Firma aufnehmen und vielleicht sogar mit einem Anreiz versehen. Für die Übung und den Transfer im Arbeitsalltag würde man auf anschließenden kollegialen Austausch der Teilnehmenden setzen, diesen evtl. institutionell unterstützen und damit die Motivation weiter nähren. Ebenso könnte die Kursleitung den Transfer durch weiteren Kontakt zu den Teilnehmern unterstützen, als auch durch einen Aufbaukurs mit Evaluierung und feedback zu den bisher gemachten Erfahrungen. Eine wissenschaftliche Begleitung dieses Entwicklungs-prozesses könnte besonders reizvoll als auch motivierend sein.

    Interessierte Führungskräfte würden die Grundlagen in einem eigenen Basiskurs vermittelt bekommen und teilweise auch in persönlichen Coachings.

    Auswirkungen im Sinne einer veränderten Teamkultur, als auch sonstige Verbesserungen in Abläufen und im Umgang miteinander würden sich allmählich ganz organisch von selbst einstellen.

    Dipl.Psych. Gerd Metz
    Psychologische Praxisgemeinschaft Rosenau Rosenaustr. 5
    90429 Nürnberg
    Tel. 0911-269050
    mail:
    metz@gerdmetz.de
    www.mbsr-coaching-nuernberg.de